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08. 01. 05

Kabarettist Vince Ebert bewies im Hexenkessel Uehlfeld: " Physik ist sexy"

Quantensprünge besonderer Art

Vom Labor auf die Kleinkunstbühne gewechselt - Viel Applaus für ausgefallene Darbietung

Für den proppenvollen Saal im "Hexenkessel Uehlfeld" hatte er sich einiges vorgenommen.

Vince Ebert, Kabarettist aus dem Odenwald, will in seinem neuen Programm folgenden Beweis antreten:

"Physik ist sexy!".

Ausgestattet mit reichlich Sendungsbewusstsein und noch mehr zielsicherem Humor ging er an seinen "Bildungsauftrag" heran. Mindestens für das Erreichen der zweiten Runde in Günther Jauchs Quizshow für gebildete Menschen wollte er die Zuhörer und Zuschauer qualifizieren - so setzte er seine Messlatte an. Dazu beschriftete er auf der Bühne Flipcharts mit physikalischen Formelwissen und hantierte mit allerlei Versuchskörpern. Auch solche Zeitgenossen, die sich unter einem Lichtjahr die Jahresabrechnung der Stromversorgers vorstellen, sollten mit der gar nicht so trockenen Materie vertaut gemacht werden. neben wissenschaftlichen Erkenntnissen, fragwürdigen Statistiken, gewagten Theorien und absurden Gedankenspielchen bediente er sich dabei eines verblüffendem Sprachwitzes mit hintersinnigen Wortspielereien und pädagogischem Einfühlungsvermögen. Der Diplom-Physiker Ebert, nach seinem Studium auf die Kleinkunstbühne gewechselt, dozierte im Stil eines Fernsehonkels vom Bildungskanal über die kleinen Zusammenhänge im Leben, die sich oft erst auf den zweiten Blick und aus schräger Perspektive erschließen. Hinter Groteskem aus dem Alltag verbergen sich naturwissenschaftlich erklärbare Vorgänge. Der schlaue Herr Ebert hat für fast alles eine Erklärung parat und kann selbst die Relativitätstheorie am Praktischem Beispiel erläutern: eine Minute ist in unmittelbarer Nähe der Toilettentür unterschiedlich lang - kommt drauf an, ob man sich drinnen oder draußen befindet. Für eine Bakterie ist ein gesunder Körper nun einmal ein Krankheitszustand. So stellt Ebert mit samtweicher, angenehm säuselnder Stimme und Augenzwinkern gewohntes auf den Kopf, führt im Quantensprung von Aristoteles über Georg Ohm, den "bekanntesten deutschen Wiederstandskämpfer" bis zu Johann Wolfgang von Goethe ("der währe heutzutage mindesten Taxifahrer geworden"). Und was Wäre die Welt heut ohne Edison? bei Kerzenlicht müsste man das TV-Programm verfolgen! Jede Menge kabarettistisch zu verarbeitenden Stoff gibt es her, wenn der vergeistigte Naturwissenschaftler sich auf Feldversuche mit dem anderen Geschlecht einlässt. Wo andere beim nächtliche Rendezvous ihre Briefmarkensammlung vorführen und dabei nach Berührungspunkten suchen, meint der Herr Doktor, mit naturwissenschaftlichen Detailwissen zu glänzen zu müssen. Dann gibt es solche, welche die verführerisch abgelegten Textilien der Herzdame in Koch- und Buntwäsche sortierten. Der Körpereinsatz kommt  an diesem äußerst unterhaltsamen Bildungsabend nicht zu kurz. Mit raumgreifender Gestik bringt Vince Ebert sein Wissen unter die Leute. Er ist sich auch nicht zu schade, selbst die Rolle des Elektrons im Atomkern zu Übernehmen - obwohl der knapp zwei Meter große Schlaks dei denkbar ungünstigsten anatomischen Vorraussetzungen mitbringt, um als Kugelblitz im Kreis umher zu jagen. Mit viel Charme, einer überzeugenden Schauspielerischen Vorstellung und intelligentem Witz riss Vince Ebert das Publikum mit und bekam während und nach seiner Darbietung reichlich Applaus. Physik muss nicht, kann aber durchaus sexy sein Was zu beweisen war.

 

 

24. 11. 04

Ein Wolf mit fränkischem Lokalkolorit

Auch richtig böse Wölfe aus der Märchenwelt der Gebrüder Grimm haben ihre Probleme mit der gesunden Ernährungsweise. Das und vieles mehr erfuhren rund 80 Schul- und Kindergartenkinder aus Uehlfeld und Umgebung, die zu der Kinder-Herbstveranstaltung des Bänkla-Kulturvereins gekommen waren.

Der Puppen- und Schauspieler Stefan Kügel, bekannt als Gründer und Betreiber des Theaters Kuckucksheim in Heppstädt, führte den " Wolf und die sieben Geißlein" vor. Zusammen mit der Berliner Regisseurin Regina Wagner entwarf er vor vier Jahren eine eigenwillige Version des Märchens, das er auf seine eigene Weise, mit fränkischem Lokalkolorit versehen, auf die phantasievoll gestaltete Bühne bringt.

Da gab es für seine jungen Gäste allerhand zu Lachen, manchmal wurde es aber auch etwas gruselig. Von einer Rolle in die andere schlüpfte der Mime mit dem lichten Haupthaar, spielte seine Geißlein, den Wolf den, denn Bäcker, den Müller- mit sich ständig wechselnde Stimmlagen, Dialekten Sprechgeschwindigkeiten. Unglaublich große Augen hat er, die manchmal scheinbar aus ihren Höhlen herausspringen wollten. Und immer wieder zwischendrin gibt er seine Lieder zum Beste, wobei er sich vom Band begleiten lässt. Er versteht es, dass junge Publikum von Anfang an zu Fesseln. Seien Märchenfiguren wirken gar nicht so, als seien sie vor über hundert Jahren entstanden. Recht aktuelle Sorgen haben sie und passen ganz in unsre Zeit. So reden und handeln sie auch, heißen Ritschie und Rosa, spielen Monopoly und wollen ganz Uehlfeld aufkaufen. So verlief der Theaterbesuch kurzweilig, packend und lustig. Begeistert verfolgten die Kleinen das Geschehen auf der Bühne und sparten am Ende nicht mit reichlichem Applaus für den jungen Künstler.

 

 

 

13. 11. 04

Martina Schwarzmann beim "BÄNKLA" in Uehlfeld

Eine Bindung ist keine Lösung

Von schwedischen Schiffsschaukelbremsern in tschechischen Stretch-Jeans

Allein schon aufgrund ihrer Eckdaten" ist Martina Schwarzmann in der Kleinkunstszene eine  Ausnahmeerscheinung: Frauen in den Mitzwanzigern, die sich Gitarre spielend als Alleinunterhalterin auf die Bühne stellen, sind dort eher eine Seltenheit. bei ihrem Auftritt in Uehlfeld beim Kulturverein Bänkla wartete die Oberbayerin mit weiteren Eigenheiten auf. Da ist zunächst einmal ihr ureigener etwas herber Charme, mit dem sie weder sich selbst noch andere schont. Voller Selbstironie stellt sie sich und ihre on der Gitarre begleitete Lieder vor. Wovon und wie soll man singen, wenn man dem unbefangenen Teenager-Alter mit romantischen Träumereien längst entwachsen ist, aber noch lange nicht über eine abgeklärte Lebenserfahrung oder gar über Altersweisheit verfügt? Zum Beispiel darüber, wie man "mit Tupperware die Wechseljahre" überwindet oder einfach über matschige Semmelknödel. Sprachlich kommt sie ohne Umwege, Schnörkeln und Manierlichkeiten direkt zur Sache. Da ist kein Platz für Sentimentalitäten und große Gefühle. Mitleidslos lässt sie alles Mögliche aus der Tierwelt über die Klinge springe, singt von der Wechselwirkung von Alkohol und Beziehungen, triebt Wortspielereien mit schwedischen Schiffsschaukelbremsern in  tschechischen Stretch-Jeans und wünscht ihrer Arbeitskollegin dicke Krampfadern an beiden Beinen. sie bedient sich dabei in erster Linie ihres Dialekts, wobei allerdings ei  vorübergehender Aufenthalt im Reihnischen unüberhörbar ist. Das Ganze mit einer entwaffnenden Offenheit und Natürlichkeit, die sie sympathisch macht. Nur so kann  man wohl über die Erin-nerungen der Gummipuppe "Modell-Sabine" aus dem Beate-Uhse-Laden oder über die heftige Beischlafszene singen, ohne auf peinliche Art obszön zu wirken. Viel zu faustdick hat sie es hinter den Ohren, um von ewig währendem Glück in trauter Zweisamkeit zu schwärmen. Von vielen Verflossenen  erzählt sie in ihrer unprätentiösen Art, nichts wird  verklärt. Schließlich, so die 25-Jährige  in überraschend hintersinniger Wortspielerei, ist "eine Binding keine Lösung". Dass sie auch charmant plaudern und schlagfertig reagieren kann, bewies Martina Schwarzmann in ihren mit dem Publikum, auf die sie sich gerne einließ. Da taute sie Richtig auf und lachte selbst herzhaft. Die Politik bekommt den ihr angemessenen Platz: in ganzen vier Gedichtzeilen wird das Thema vernichtend abgehakt. Lieber thematisiert sie mit Hintersinn und Humor, wie übel einem das Leben mitspielen kann. Handlungsorte sind die Familie, das oberbayrische Kaff Überacker, dem sie zu entfliehen versucht, und ihr persönliches Umfeld. Auch Erfahrungen und Probleme mit dem eigene Körper, ob das nun die einsetzende Pubertät oder der Kampf gegen zu viele Pfunde( den sie selbst wohl nicht führen muss) ist, inspirieren sie zu ihren Liedchen. Zwischen den Zeilen, eher versteckt und sparsam dosiert, verrät die athletische Komödiantin, dass sie sich bei aller Komik auch sehr kluge und tiefgründige Gedanken macht. Selbstbewusstsein zeigt sie, wenn ein Gag einmal nicht so zündet: mit treffsicherer Ironie geht sie kurz darauf ein und macht unbeeindruckt weiter in ihrem Programm. Beim Publikum kam ihre eigenwillige, originelle Darbietung trotz einiger Durchhänger gut an und fand viel Beifall. 

 

09. 10. 04

Zum dritten Mal vor vollem Haus: "Die Couplet-AG" beim "BÄNKLA" in Uehlfeld

Neues Programm "Presssack Royal": Nicht immer leicht verdaulich, aber niemals fad

Der Saal war voll und die Stimmung prächtig: Ihr drittes Gastspiel hat die Kabarett-Truppe Couplet-AG beim Kulturverein "Bänkla" gegeben. Eine runde Sache für Veranstalter, Publikum und Künstler.             Kein Wunder, denn die Münchner Brettl-Künstler waren von ihren vorhergehenden Auftritten noch in bester Erinnerung. Diesmal präsentierten sie sich in bekannter Besetzung mit neuem Programm, "Presssack Royal" getauft. Die Zutaten dazu waren zwar die bekannten, aber dennoch war es kein müder Abklatsch, der da geboten wurde. Die Vier lieferten ihren berühmt-berüchtigten satirischen Biss, der vor nichts halt macht. Mehr als je zuvor stand das "Couplet", eine traditionelle Spielart des Volksgesangs mit witzig-satirischem Inhalt, im Mittelpunkt des Programms. Das Couplet entstand in den Wirtshäusern und Bühnen von Wien, Berlin und München zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ein bekannter Vertreter dieses Genres ist Karl Valentin. Bei den vier Akteuren hat sich äußerlich wenig geändert. Nach wie vor teilt sich die vierköpfige Besetzung in eine vorwiegend schauspielernde (Jürgen Kirner und   Anna M. Spieß) und eine mit Instrumenten musizierende Hälfte (Hans Dettendorfer und Bernhard Gruber). Immer ein Blickfang ist Gruber in seiner krachledernen Trachtenhose nebst Kniestrümpfen mit ständig wechselnder Kopfbedeckungen. Stoisch verweilt er auf seinem Platz mit einem Blick irgendwo zwischen "Treudoof" und "faustdick hinter den Ohren", während sein Kollege Dettendorfer vor allem mit seiner hoffnungslos deplaziert wirkenden roten Hose auffällt. Schlag auf Schlag geht es, wenn Anna M. Spies und Jürgen Kirner loslegen. Sie als gestandenes Weibsbild immer laut, herrisch und dominant, er umso kleiner gewachsen, mit dünnem Haarkranz, Rundbrille und heller Stimme. Ein Gag folgte dem anderen - schade blos, dass manches wegen der Geschwindigkeit, des Dialekts und der Saalakustik nur erahnt werden konnte. Seine Themen findet das Quartett mühelos. Klar, dass die bayerische Staatsregierung, allen voran der Ministerpräsident, ein willkommenes Ziel für den Spott bietet. Die oppositionelle SPD bekam, entsprechend ihrer Stärke hier zu Lande, lediglich eine Mitleidsnummer ab. Darin zieht die verbleibende Handvoll sektiererischer Parteimitglieder einen Anschluss an die CSU in Erwägung. Eine Horrorvision für Erwin Huber wurde inszeniert: Edmund Stoiber wird 150 Jahre alt - nichts wird es mit der Nachfolge im Amt. Auch abseits der großen und kleinen Politik, im Alltag des Kleinbürgers, wird die singende Truppe fündig. Da ist die Mordlust einer Hausfrau, die im Garten die Schnecken mit der Gartenschere massakriert. Oder zwei reizende alte Damen, die sich darüber Gedanken machen, wie sie sich für immer ihrer senilen Herren Gatten entledigen können, um sich an den Versicherungssummen schadlos halten zu können. Auch die DDR-Hymne lässt sich aktualisieren: aus " auferstanden aus Ruinen" machen die Kabarettisten "wir verlosen Arbeitslose", dargeboten in einer Job-Agentur. Entsprechend ihrer altbayrischen Herkunft hat die Couplet-AG jede Menge sprachlicher Derbheiten im Repertoire, gezielt und wirkungsvoll eingesetzt. Eine weitere Spezialität der Münchner: Man lebt gefährlich in den vorderen Reihen. Vor allem Anna M. Spies baut sich gerne am Bühnenrand auf und sucht sich aufreizend langsam Zuschauer aus, die sie mit in die Handlung einbezieht. Zu spüren bekamen das in Uehlfeld unter anderem zwei, die es gewohnt sind im Rampenlicht zu stehen: Bürgermeister Helmut Praus und der schreibende Franken-Cop Hartmut Friese ("Notruf110") wurden von ihr in ihrer zupackenden Art zum Tanz auf die Bühne "gebeten". Beide machten gute Miene und eine gute Figur zum rasanten Spiel. Alles in allem war es ein sehr pikanter, deftiger " Presssack Royal" mit viel Pfeffer, nicht immer leicht verdaulich,   aber niemals fad.

 

17. 09. 04

In zahllose Rollen geschlüpft

Helmut Schleich bietet in Uehlfeld bestes Kabarett - " Das Auge isst man mit "

Kabaret der besten Art bot Helmut Schleich in Uehlfeld. Mit seinem zweiten Soloprogramm "Das Auge isst man mit", unterhielt der gebürtige Oberbayer und heutige Wahlmünchner die Zuschauer im Brauereisaal aufs Beste.Ob das auf diese Art seine Absicht war, bleibt allerdings dahingestellt. Schenkelklopferhumor und Comedy, die auf sofort auslösbare "Aha-Effekte" beruhen, waren nämlich nicht seine Sache. Den Menschen und der Gesellschaft den eigenen Spiegel vorhalten, diese Uraufgabe des sprachlich versierten Kleinkünstlers und genauen Beobachters, beherrschte er hingegen hervorragend. Die Mittel, die er anwandte, waren einfach, aber wirkungsvoll: Er schlüpfte in zahllose Rollen. Getreu der Maxime seines Programmnamens ließ er dabei auch die Speisen selbst zu Wort Kommen. Mal aus der Sicht des Konsumenten, mal direkt aus dem Mageninneren meldeten sich die verschiedensten Ansichten zu Wort. Der bayerische Semmelknödel war dabei ebenso vertreten wie der gesunde Powerriegel - passend gewählte Vertreter für die unterschiedlichsten Ideologien, die die Außenwelt beherrschen. Gerade im Magen trifft ja alles zusammen und man muss wohl oder übel miteinander auskommen. Auch fiese kleine Tricks wie die Angabe eines falschen Datums, das gerade den gesundheitsbewussten Riegel zum fluchtartigen Verlassen des neuen Aufenthalts bewegt, gehörten wie im richtigen Leben dazu. Politische Schläge suchte man vergebens. Dieser erste Teil des Programms ging nicht gegen bestimmte Personen. Er spiegelte wider, was in jedem einzelnen schlummert - überzeichnet und dadurch deutlich gemacht, aber im kleinen überall akzeptiert. "Gib dem Volk zu essen, dann ruft es erst, "lecker" und dann "Heil Hitler" war einer der eindeutlichsten Sätze, mit denen der Kabarettist die Intension seines Auftritts verdeutlichte. Leichter machte es Schleich seinem Publikum im Teil nach der Pause. Sein imitatorisches Talent spießte dann die Eigenheiten von bekannten Figuren wie Alfred Biolek oder anderen auf. Hier waren für ihn die Lacher leichter zu erreichen. Hin und wieder piekste er zwar trotzdem noch in menschlichen Schwächen, aber so dezent, dass niemandem das Lachen im Hals stecken blieb. Das Programm von Schleich versuchte den schwierigen Spagat zwischen dem, was Kabarett einmal war und dem, was heute gerne so im Vorübergehen konsumiert wird, ohne dass er sich dem Publikum anbiederte. Gestandene Kabarettisten wie Dieter Hildebrand, Hans-Dieter Hüsch und andere müssten eigentlich ihre Freude an dem jungen Kollegen haben. Die Zeit, als die Menschen zuhauf in ihre Veranstaltungen gingen, um mit Denkanstößen heimzugehen, ist fast schon Vergangenheit. Schleich versucht, davon in die moderne Zeit zu transportieren, was noch möglich ist. Der Auftritt von Schleich fand statt im Rahmen des Herbstprogramms des Uehlfelder BÄNKLA.

 

07. 05. 04

" Edz horch amool " Thomas Hausner und Christine Hartnagel beim " Bänkla"

Spargelfigur und Schlauchwadeln

Spaß und Heiterkeit gemixt mit einem Schuss Frivolität - Alltagsszenen aufbereitet

Der Kulturverein " Bänkla " hatte zur letzten Vorstellung im Frühjahrsprogramm 2004 geladen,

und, wie die Zahl der Besucher zeigte, mit der Verpflichtung des Lunatheaters und ihrem Programm

" Edz horch amool ", von und mit Thomas Hausner und Cristine Hartnagel, ein goldenes Händchen bewiesen.

Schon von der ersten Minute an bauten die beiden Kabarettisten das Publikum mit ins Spielgeschehen ein. Und das war gut so. Denn damit brach schnell das Eis, die Gäste lachten befreit auf und spendeten immer wieder Szenenapplaus.

Im Grunde waren es ganz banale Alltagsszenen, die eben kabarettistisch aufbereitet, zu wahren Zwerchfellkillern wurden, Wie bespricht, nein eher wie beräuspert man beispielsweise einen Anrufbeantworter. Und dann kann da auch noch im Telefon angeklopft werden, eine Rufumleitung eingerichtet und sogar das ganze auf stumm geschaltet werden.

"Wenn dann dai Mudder ohruft, schalt ich auf stumm - zack - stumm", freut sich sichtlich der Ehemann. Wie schon erwähnt, zogen Hausner und Hartnagel das Publikum immer wieder ins Spielgeschehen ein. So kam die Frage: "Welche Gäste des Abends kommen von ganz weit her?"

Verden an der Aller und Köln waren schließlich die Tagessieger.

" Und aus den neuen Bundesländer?" Hausner blickte sich suchend um: " Ihr derft euch ruhig melden, ihr seid ja jetzt frei."

Auch über Fränkisch und seine besondere Sprachmelodie, wusste sich der Kabarettist auszulassen.

So kenne der Franke nur ein "t" und ein "K": nämlich beim Senft und bei der Karasch (Garage).

" A weng" und "fei" , zwei fränkische Sprachbegriffe, die nur mit Insiderwissen anzuwenden sind: 

" obber a weng schwer hem (heben), mist mä fei a," frozzelte Hausner. Seine zotigen Sprüche vergingen ihm rasch, als seine Partnerin im Gymnastiklook auf die Bühne trat um ihn zu Stretching und isometrischen Übungen für Körper und Geist zu animieren. Das sah ja bis dahin ganz elegant aus.

Aber dann kam der Brüller: Hausner in Turnerkleidung. "Allmächd, hod der a Spargelfigur und Schlauchwadeln": das Publikum tobte und man hörte teilweise figurenvergleichende Sprüche, die das Wasser in die Augen trieben.

Spaß und Heiterkeit, gemixt mit einem Schuss Frivolität, machten das originelle Programm zu einem tollen Reisser mit hundertprozentiger Lachgarantie.

Ein Abend, der sich gelohnt hat und der ohne Zugabe natürlich nicht zu Ende gehen konnte.

 

 

 

28. 04. 04

Magic Circus

Unsichtbare Eier und Prinzenpuste

"Aua, das tut ja richtig weh!" Zauberer Andreas Richert aus Markt Heidenfeld ging beim " Bänkla " in Uehlfeld auf Tuchfühlung mit seinen 70-köpfigen jungen Publikum. Dies durfte immer zuvor testen, ob sein Zaubermaterial etwas taugt, wie hier die Handschellen, mit zwei Schlössern versehen. Aber eigentlich ist es das Spezialgebiet seines "Magic Circus", Eier von überallher zu zaubern und verschwinden zu lassen. An den "unsichtbaren Eiern", mit denen der Künstler Schabernak trieb, hatten die Kleinen ihren besonderen Spaß. Die Kinder ließen sich aber nicht überrumpeln und machten den gelernten Bildhauer stets auf dessen Täuschungsmanöver aufmerksam. Klassiker wie zerschnittene Seile verknoten, Metallringe sich überschneiden und Ketten lösen gab Andreas Richert zum Besten. Mit ein bisschen "Prinzen-" oder "Prinzessinnenpuste" funktionierte das sogar. Diese holte er sich von seinen kleinen Fans. Er zeigte aber auch, dass er noch mehr auf dem Kasten hatte wie beispielsweise geschicktes Jonglieren mit drei Bällen. Weil sich alle gewünscht hatten, dass er einen Hasen aus dem Hut zaubert, tat er das auch, wenn es am Ende auch nur ein Plüschtier war. Das konnte dafür sprechen - der Artist erledigte das gleich aus dem Bauch heraus. Die Kinder wollten bei den Kunststücken gerne mitspielen und am besten hautnah dabei sein.

 

 

13. 03. 04

Irischer Frühling

Mitten in Uehlfeld auf der " Grünen Insel "

" Irischer Frühling " findet begeisterte Gäste

Stimmung wie im Irischen Pub war das Ziel der Bänkla-Veranstaltung " Irischer Frühling "

am Samstag in Uehlfeld.

Das gelang mit der jahrelangen Erfahrung der Veranstalter auch heuer wieder mühelos.

 

Im abgeteilten Saal der Brauerei Prechtel entwickelte sich genau die gewünschte Atmosphäre -

man kam einzeln oder als kleine Gruppe und war bald eingebunden ins Ganze.

Mit dazu bei trug sicher das original irische Guinness oder Kilkenny vom Fass, die würzigen Biere,

die helfen, Kontakte zu knüpfen.

Einen größeren Anteil aber hatte die Band " Greenfield " aus dem Großraum Nürnberg-Erlangen,

die für die richtige Folk-Music sorgte.

Die Band hat sich schon seit langem der traditionellen irischen Musik verschrieben und brachte dies auch mühelos auf die kleine improvisierte Bühne. Diese bestand nur aus einem kleinen Podest, so dass die Musiker praktisch mitten unter den Gästen waren. Der unmittelbare Kontakt zum Publikum war damit gewährleistet. Fiddle, Akkordeon, Bodhran-eine irische Rahmentrommel-, Flöten und die keltische Harfe brachten die Grüne Insel mitten nach Uehlfeld.

Die Besucher kommen fast jedes Jahr, oft sind auch neue Gäste dabei.

Den " Irischen Frühling " gibt es schon fast seit Gründung des Vereins zur Förderung von Kultur und Bildung Uehlfeld e. V., so die offizielle Bezeichnung des Bänkla.

Der sich auch am Samstag zeigende anhaltende Zuspruch lässt erwarten, dass dieses Ereignis auch in den kommenden Jahren im Programm bleiben wird.

 

 

05. 12. 03

b.o.s.s.

Duo aus Regensburg "b.o.s.s." bestach mit mitreißender Tasten- und Gitarrenkunst

im "Bänkla"

Bruce Springsteen oberpfälzisch

" The Boss" - so nennen seine Fans den amerikanischen Rock-Superstar Bruce Springsteen. Bekanntlich füllt er mit seiner E-Street-Band und einer Armada von Gastmusikern weltweit die Massenarenen und Stadien. "b.o.s.s." nennt sich ein Duo aus Regensburg, das seine Lieder singt - auf oberpfälzisch.

Auf Klavier, Melodika und Gitarre beschränken sich die Musiker, die auf bayerischen Kleinkunstbühnen zu hören sind. Auch beim "Bänkla" in Uehlfeld waren sie zu Gast.

Das Repertoir der beiden Oberpfälzer besteht neben den Springsteen-Songs in Mundart aus Eigenkompositionen, die in voller Absicht so klingen, als hätte der Meister jenseits des Atlantiks sie kreiert. Zwar sind die Texte eins zu eins übersetzt und die Songgerüste nicht verändert, dennoch erstarrt der Vortrag an keiner Stelle in andächtiger Ehrfurcht vor dem übermächtigen Vorbild.

Vielmehr geben sie dem Material durch augenzwinkernde Zutaten von Persiflagen und Selbstironie ein frisches, lokal geprägtes und humorvolleres Gesicht. Das bisweilen düstere Songmaterial Springsteens klang hier heller und freundlicher, wozu auch die Stimme von Hubert Treml, die an den Sänger der Spider-Murphy-Gang erinnert und einen gewissen Schalk in sich birgt, ihren Beitrag leistet. "Des is der Bruce... ( kurze Pause) und i bin der Hubert", macht Treml mit hochgezogenen Augenbrauen den Unterschied klar. Er und sein Partner Franz Schuier am E-Piano ( gelegentlich auch mit Melodika und als zweite Stimme ) ließen sich durch die bescheidene Kulisse nicht abschrecken und bemühten sich mit hörbarem Erfolg darum, das Publikum zu animieren und zu erheitern.

Es wurde mitgeklatscht und mitgesungen und auf die Ansagen und Aufrufe von der Bühne wurde nicht minder witzig gekontert. An einigen Stellen sorgten Treml und Schuier mit einer abrupten Änderung der Gangart für einen Wechsel der Gefühle. Zwischen dem Weihnachtslied wie "Kling, Glöckerl" und dem rockigen "Rosa VW" (im Original "Pink Cadillac") herrschte Totenstille im Saal, als " du wirst vermisst angestimmt wurde. "You're missing" heißt das bei Springsteen und reflektiert das angespannte Warten in einer New Yorker Familie, deren Daddy in den Trümmern des World Trade Center vermisst wird. Das ging stark unter die Haut, ebenso wie Philadelphia oder" wennst im Dunkeln mit mir tanzt" (Dancing in the Dark).

Dem Vorbild sehr nah kam das perlende E-Piano-Spiel von Franz Schuier, der das Instrument ganz in der unverwechselbaren Manier der E-Street-Band bediente. Nicht nur in der Lautstärke zurückhaltend bearbeitete Hubert Treml die Gitarre. Die vom Original bekannten ausufernden Soli verkniff er sich. Solides Rhythmus-Spiel herrschte bei ihm vor, der die Gitarre wahrhaftig zu spielen versteht. Dass er die Grundbegriffe beherrscht (eigene Relativierung) stellte er jedenfalls hinreichend unter Beweis. Dabei kam sowohl eine akustische als auch ein E-Gitarre - wie beim Meister selbst natürlich nur eine Fender Stratocaster - zum Einsatz. Licht und Tontechnik machte das Duo mit Spielfreude, Witz und Entertainment wett. Die Wenigen, die kamen, erlebten einen kurzweiligen Abend mit solider Musik und intelligentem Humor, der mit tiefergehenden und nachdenklichen Momenten durchsetzt war.

 

26. 11. 03

Stefan Kügel

" Das Apfelmännchen "

Apfelmänchen begeisterte die Kinder

Begeistert verfolgten am Mittwochnachmittag rund 100 Kinder das Theaterstück "Das Apfelmänchen" in Uehlfeld. Der lustig gekleidete Stefan Kügel vom "Theater Kuckucksheim" schlüpfte zur Erheiterung der großen und kleinen Besucher in mehrere Rollen und schaffte es immer wieder, die Jungen und Mädchen zu spontanen Kommentaren hinzureißen und zum Lachen zu bringen. Mit wenigen Requisiten wie einigen kleinen Puppen, einem Bett, das auch zum "Marktplatz" umfunktioniert wurde, sowie einem "Ofen" gelang es ihm, frei nach Janosch, die Geschichte eines armen Mannes in Szene zu setzen. 

Dieser wünscht sich nichts sehnlicher, als dass sein Baum einen Apfel tragen möge. Der Traum geht in Erfüllung. Das Obst wird allerdings so riesig groß, dass es seinem Besitzer nur Ärger einbringt, selbst den König beschäftigt   und auch einen Drachen vor einige Probleme stellt.

Initiiert worden war diese Veranstaltung vom Verein zur Förderung von Kultur und Bildung Uehlfeld, besser bekannt unter dem Namen "Bänkla".

 

15. 11. 03

H. H. Friedrich

Gnadenlose Analytikerin

Heidi Friedrich in Uehlfeld "allein unter Rüden"

"Allein unter Rüden", mit diesem  Soloprogramm trat Heidi Friedrich am Samstag vors Bänkla-Herbstprogramm-Publikum. Dabei wusste sie allerlei von zwischenmenschlichen Beziehungen

zu sagen - scharfzüngig, wie es einer Kabarettistin geziemt und ohne Rücksicht aufs Publikum. Männer, Frauen, Hunde, Haushalt, Fernsehen - nichts verschonte sie mit verbalen Attacken. Ein kleiner Schönheitsfehler in ihrem Programm war zeitweilig Langatmigkeit - das Publikum ist im Allgemeinen nicht so langsam von Begriff, dass man Einfälle zu Tode reiten müsste. Eine kurze, scharfe Pointe hätte hin und wieder besser gewirkt als ausgespielte Szenen.

Die letzte "Tante"

Heike Friedrich ist diejenige, die nach neun Jahren des Kabarettduos "Die Tanten" übrig geblieben ist. Natürlich läuft die Solokarriere immer Gefahr, an dem gemessen zu werden, wofür das Duo bekannt gewesen ist. Vergleiche zu ziehen, wäre da unfair.

Wortwitz und Bewegungsfähigkeit von ihr aber sind immer noch ein Markenzeichen, auch wenn die ehemalige "Tante" jetzt allein unterwegs ist.

Das Publikum war jedenfalls mit dem Angebot mehr als zufrieden und sparte nicht mit Beifall.

 

02. 11. 03

Leierkasten Ludwig

Spaßvogel an der Drehorgel

Recht gut besucht war der "Fränkische Nachmittag", zu welchem der Kulturverein "Bänkla" die Bevölkerung eingeladen hatte.   Geselligkeit, Frohsinn und Heiterkeit standen im Vordergrund der Veranstaltung, die heuer vom "Leierkasten Ludwig" (Ludwig Voit aus Gochsheim) musikalisch ausstaffiert wurden. Aber nicht nur mit altbekannten Liedern zum Mitsingen erfreute der 77-jährige Drehorgelspieler sein Publikum. Vielmehr entpuppte er sich auch noch als richtiger Spaßvogel, der in sehr humorvoller Weise Anekdoten oder Geschichten zum Besten gab, die das Publikum zum Brüllen brachten. Eine Kostprobe: Da hatte ihm doch sein Vater eines Tages erzählt, dass die Eltern noch ein Geschwisterchen für ihn beim Storch bestellt haben. Was ihm wohl lieber wäre - ein Junge oder ein Mädchen. Nach kurzem Überlegen meinte der Ludwig: "Ach, wenn`s der Mutter net so weh tut, mecht ich a Drehorgala".  Voit`s Lebensweisheit sei, so verriet er: "Frohsinn und Freude schenken, daran will ich immer denken", und daran dachte er beim "Bänkla" ganz fest denn er hatte stets die Lacher auf seiner Seite und mitgesungen hatten die Anwesenden, dass es nur so eine Freude war.

 

10. 10. 03

ER & SIE

Von Harmonie ist da keine Spur

Das Kabarett-Duo traf mit seinen Eheszenen zielsicher den Nerv des Publikums

Seit 15 Jahren sind sie gemeinsam auf fränkischen Kleinkunstbühnen zu sehen, aber Harmonie strahlen sie noch immer nicht aus: Herbert und Renate gastierten beim Kultuförderverein "Bänkla" in Uehlfeld mit ihrem aktuellen Programm, das sie die "Zweigoschn-Oper" getauft hatten.

 

Die acht Sketche bewegen sich abseits des Tagesgeschehens, sind daher zeitlos und ohne Verfallsdatum. Alltägliches aus dem Leben eines in die Jahre gekommenen Ehepaares wird in Dialogen aufgearbeitet. Derbe Garstigkeiten und subtile Anspielungen kommen wie aus dem Maschinengewehr geschossen: gnadenlos, atemlos und treffsicher. Die jeweilige Thematik tritt dabei in den Hintergrund, denn die Sketche leben von den Spannungen, die sich zum Teil rustikaler verbaler Ausdrucksweise und der Mimik wiederspiegeln. Immer einen Zacken aggressiver gebärdet sich dabei die vermeintlich bessere Hälfte Renate, die "Haare auf der Zunge" hat und schonungslos auf den Schwächen ihres Partners - vorzugsweise im Liebesleben - herumreitet. Von den "zwei Goschn" ist die ihrige zweifellos die aktivere und dominante. Herbert, ausgestattet mit mehr Allgemeinwissen und Weltoffenheit, schlägt zwar bisweilen verbal zurück, erträgt aber vieles mit Gelassenheit und Geduld - oder ist einfach sprachlos. Seine Abgeklärtheit setzt einen wohltuenden Kontrapunkt zu der vorlauten, derben, rastlosen und stets präsenten Vorstellung der Frau an seiner Seite.

 

Zum Brüllen fand das Publikum die von Renate bisweilen eigenwillige Sicht der Dinge. Beispiel: Gehirnmasse hat im Gegensatz zum weiblichen Busen nicht die lästige Eigenschaft, "dass es runterhängt". Gefragt, was an seiner Liebsten denn noch zu groß sei, fiel Herbert spontan "die Goschn" ein.

Nachdem sie sich als Paar mit Tablettenmissbrauch, Partnersuche per Zeitung, frivolen Gesellschaftsspielen, Heimwerken und dergleichen mehr beschäftigt hat, zeigt das sich Duo auch von einer neuen Seite: Mit ausgefallenen Anliegen treffen sie sich als Fremde mit ihren nicht alltäglichen Haustieren in der Tierarztpraxis und beginnen eine etwas merkwürdige Konversation. 

 

Im gut besuchten Saal trafen die Gags der schauspielernden Kabarettisten immer den Nerv des Publikums, das nicht mit Beifall geizte. Oft reichte schon eine Grimasse von Renate Straubinger, um die Zuschauer zum Lachen zu bringen. Nach der letzten Zugabe war natürlich sie es, die das letzte Wort hatte. Eine Bereicherung des Programms war der Nürnberger Gitarrist und Sänger Heinz Pöllmann, der mit seinen heiteren Liedern und kleinen Geschichten durch die Pausen führte und gleichzeitig als Moderator fingierte. Um eine wohl oft gestellte Frage zu beantworten: Renate Straubinger und Herbert Egerer sind verheiratet, jedoch nicht miteinander.

 

20. 09. 03

Sabalodd

Witz und Ernst vereint

"Sabalodd" gastierte im Prechtel-Saal - Artisten der Mundart

Ein melancholischer Abend hätte es werden können am Samstag in Uehlfeld mit den Mundart-Artisten "Sabalodd", die im Prechtel-Saal ihre Kunst zum Besten gaben.

Die Texte gemahnten an den Ernst des Lebens, an eingefahrene Vorstellungen der Gesellschaft, an kleine, kränkende Erlebnisse im Alltag, die jeder einmal durchmacht und erst dann bemerkt, dass er selber auch schon auf der anderen Seite gestanden ist und gelacht hat. Aber Klaus und Stefan Erdel, Günther Pusch und Norbert Imschloß, die Protagonisten in Sachen "Fränkische Kultur", ließen es gar nicht so weit kommen, dass etwa Trübsinn im Publikum aufgeflackert wäre. Mit Augenzwinkern und lockerem Erzählen stellten sie stets das lachende Auge in den Vordergrund und ließen so das weinende gar nicht zum Vorschein kommen.

Ihre "Liedla" über Tod, Alter, Beziehungen zwischen Mann und Frau und andere Themen packten sie in passende Musik von Blues bis Rock. Diese Musik war fast noch von Hand gemacht - wenig Technik, keine Light-Show, nichts was ablenkte von den vier Männern, die da auf der Bühne standen und ihr Publikum zum Beifall hinrissen.

Der Franke ist kein Österreicher - er würde das weit von sich weisen - aber die Art und Weise, wie die Originalfranken ihre ureigene Lebenserfahrung mit den Zuhörern teilten, gemahnte an Liedermacher wie Ludwig Hirsch oder Wolfgang Ambros - nur eben auf  fränkisch. Witz und Ernsthaftigkeit zu vereinen, zu zeigen, dass die Leit-Kultur sich in Franken auch heute noch erhalten hat, das gelang den vieren ausgezeichnet.

Mit dem "Tiefflug über frängische Kuldur in Hochform" - so der offizielle Pressetext - startete das Uehlfelder BÄNKLA sein Herbstprogramm.

 

 

 

 

 

30. 04. 03

Chapeau Claque ( Theater für Kinder )

Michel in der Suppenschüssel

Mit der erneuten Verpflichtung des Kindertheaters „Chapeau Claque“ hatten die Bänkla-Macher“

mal wieder den richtigen Riecher. Dies zeigte sich schon an der Vielzahl von Kindern und Erwachsenen, die zur Vorstellung „ Michel in der Suppenschüssel“ kamen.

Die freiberuflichen Schauspieler Harald Rink ( Michel ), Gerti Baumgärtel ( Mutter, Lina,

Klein Ida ) und Stefan Evertz ( Vater, Knecht Alfred,

Polizist ) schlüpfen in ihre verschiedenen Rollen, um die Geschichten des Kattulter Buben nachzuspielen.

Dass dies so hervorragend klappte, lag nicht nur am darstellerischen Geschick der drei Mimen, sondern war auch das Verdienst von Nina Lorenz, die Regie führte und die gleichzeitig die

Astrid Lindgren-Geschichten in die Bühnenfassung für drei Personen brachte. Die Darsteller verstanden es großartig, ihr Publikum mitzureißen und in die Welt des kleinen Lausbuben zu versetzen. Da konnte man glatt vergessen, dass der „ Tatort“ ein Wirtshaussaal im Aischgrund und nicht Michels Geburtsort Lönneberga war, so hautnah und überzeugend wirkten die Schauspieler. Freilich, anfangs mussten die kleinen Zuschauer schon lachen, als der Lausejunge Michel von einem Erwachsenen gespielt wurde. Aber es dauerte gar nicht lange und vergessen war der Altersunterschied. Denn Harald Rink ging in seinem Part so auf, war so überzeugend jung und quirlig, dass man in ihm einfach den kleinen, stets zu Scherzen aufgelegten Michel sah.

Viel zu schnell, so konnte man aus dem begeisterten Publikum vernehmen, war die Zeit um und das Theaterstück zu Ende. Lange noch klatschten die Besucher Beifall und lachten über die komischen Geschichten aus Schweden.

04. 04. 03

TBC

Sie sind wieder da, das Totale Bamberger Cabaret,

das vor Jahren aufgelöste Kabarett-Trio. In abgewandelter Besetzung mit dem Urgestein

Helmut „Stöcker“ Vorndran, Georg Koeniger und dem „Neuen“ Florian Hoffmann zeigten sie am Freitag in Uehlfeld ihr erstes gemeinsames Programm  „Der Lachturm“.

Ob die zahlreichen Zuschauer ein Revival der alten TBC erwartet hatten oder nicht, enttäuscht waren die auf jeden Fall nicht. Der Stil hat sich ein wenig geändert, wenig aktueller politischer Bezug, dafür viele direkte Angriffe auf den Wahnsinn des alltäglichen Lebens. Ein arbeitsloser Superheld aus einem veralteten Computerspiel auf dem Arbeitsamt ist eigentlich nur ein folgerichtiges Weiterdenken in unserer schnelllebigen Zeit –

TBC spielte eine solche Situation voll aus.

Auch wurde nach bewährter Manier das Publikum in keiner Weise verschont. Kurz vor der Pause eine Nummer über den  steigenden Druck in der Blase nach Biergenuss zu machen und schön mit Wassergeplätscher zu unterstützen, ist vielleicht Geschmacksache. Wirkungsvoll war es auf jeden Fall, wie an den Gesichtern der Besucher zu sehen war.

Ein bisschen viel Bezug auf Sex und andere Bedürfnisse insgesamt vielleicht, aber bei den Gästen kam die Mischung des Programms an. Egal ob aufgerufen zum Singen der Nationalhymne oder als Helfer bei einem Fußballspiel, alle machten begeistert mit.

Das hat das ehemalige TBC mit der New Edition auf jeden Fall gemein: Das Publikum wird einbezogen und verfällt dem Einfluss der Künstler.  „Ich mach jetzt im Programm weiter, die Leute haben schließlich Eintritt bezahlt“ – wenn ein Kabarettist die angebahnte Unterhaltung mit einem Mann aus der ersten Reihe so unterbrechen muss, zeugt das für die Gemeinsamkeit, die sich zwischen Künstler und Publikum angebahnt hat.

TBC New Edition trat auf Einladung des Uehlfelder Bänkla auf. Die Organisatoren zeigten sich sehr zufrieden mit der Resonanz. 

 

 

15. 03. 03

Irischer Frühling

„Tanzvirus“ breitete sich bei mitreißender Musik rasch aus

Den Machern der Uehlfelder Kulturinitiative war es diesmal nicht so recht wohl. Eine große Veranstaltung im nahen Höchstadt zum Stadtjubiläum drohte, den irischen Frühlingsabend  spürbar zu beeinträchtigen, der auch nicht um eine Woche verlegt werden konnte, weil dann wieder Konkurrenz in Neustadt anstand. Also Augen zu und durch für das „Bänkla“.

Denn auf den Bänken hielt es unter den zahlreichen Gästen nur ganz wenige bei der mitreißenden Musik der Gruppe „Greenfield“. Vor etwa acht Jahren gegründet und in der heutigen Formation seit rund vier Jahren  auf den Bühnen der Region- bereichert um die „waschechte“ Irin Joan Croker mit abgeschlossenen Musikstudium – hat sich das Ensemble der traditionellen irischen Musik verschrieben. Dabei sind die Gassenhauer ebenso im Repertoire, wie Songs, die nicht ganz so bekannt sind, aber nicht minder sprühend-lebensfroh oder sentimental über alles berichten,

was die irische Seele bewegt. „Greenfield“ spielt die Reels und Jigs originalgetreu und sorgt mit entsprechenden Instrumentierung – Fiddle, Gitarre, Akkordeon und Bothran sowie diversen Flöten – für jene Stimmung, die das Publikum in Schwingung versetzt. Allerdings erlebt die Gruppe nach eigenen Angaben nicht allzu häufig, dass sich der Tanzvirus so stark ausbreitet, dass es auf dem Parkett kaum mehr Platz gibt. Infiziert hat die Gäste Armin Wendtland, der mit vier Solotänzern aus seinem VHS – Kurs zum Mitmachen animierte. So entstand eine Atmosphäre, die den „Bänkla“ Verantwortlichen zeigte, dass sie mit der Einladung zur irischen Frühlingsnacht ebenso eine gute Entscheidung getroffen hatten, wie mit dem Engagement von „Greenfield“. Man wird die Gruppe gerne wieder im Landkreis hören, deren Sängerin sich mit gebrochener Hand nur auf die einfühlsamen Stimme beschränken , auf ihren Instrumentalpart verzichten musste. Doch das tat bei der Qualität des Ensembles keinen Abbruch, das die Gäste mit kurzen Inhaltsangaben über die Songs informierte und selbst einen tollen Abend erlebte.

 

11. 01. 03

Die Couplet AG

Der ganz normale Wahnsinn der bayerischen Leitkultur in Uehlfeld.

Wenn die weißblaue Seele tief drinnen pechschwarz ist.

Hofladen für Organ-Direktvermarktung –Musikalisch perfekt

 

Schonungslose Texte und Szenen zu heimeliger Stubenmusi: Das ist das Erfolgsrezept von

Anna M. Spies, Hans Dettendorfer, Jürgen Kirner und Bernhard Gruber,

die sich 1991 als „Couplet-Wahnsinn zusammentaten, bevor sie im Mai 1996 – aus Protest

gegen den Rinderwahnsinn – zur Couplet-Arterhaltungs-Gesellschaft (AG) mutierten.

Wieviel Wahnsinn dem ganz normalen bayerischen Alltag innewohnen kann:

Das hat das Quartett am Samstag einem begeisterten Publikum in Uehlfeld demonstriert.

Brettl-Lieder und Couplets hatten ihre große Zeit vor gut 100 Jahren auf den Bühnen und in den Wirtshäusern von München, Berlin und Wien. Die Zielscheibe von Weiß Ferdl,

Karl Valentin oder Otto Reutter war die große Politik sowie der kleinbürgerliche Alltag.

Diese hohe Volkskunst des kabarettistischen Kehrreims lässt die Couplet AG wieder aufleben: musikalisch perfekt – Gitarre , Diatonische Harmonika und Maultrommel bilden die Basis -,

höchst unterhaltsam, die Pointen absolut treffsicher. Wer es noch nicht ahnte, weiß es nach diesem ausverkauften „Heimatabend der bayerischen Leitkultur“ in Uehlfeld. Tief drinnen kann die weißblaue Seele pechschwarz sein .Nicht nur bei den Schwarzen.

Oder warum wirkt Anna Spies als „rote Renate“ so überzeugend, die zittrigen Rentnern welche kaum noch das Parteifähnchen halten können, sozialdemokratische Kaffeefahrten verkauft? Edmund Stoiber als Altarheiliger war dagegen vergleichsweise wenig abgründig.

Mit der Biermösl Blosn wird das Quartett oft verglichen. Es ist nicht besser oder schlechter,

aber anders: temporeicher, undogmatischer, vielleicht auch mit etwas mehr Augenzwinkern.

Bitterbös sind die vier schon auch, wenn sie vom ersten „Rotkreuz-Hofladen“ singen,

in dem die Organe der Unfallopfer auf der nahen Autobahn direkt vermarktet werden.

Zweifelhafte Formen der Volksgläubigkeit ebenso wie Moiksche Musikantenstadl nehmen

„Johann und Johanna, das singende Ehepaar aus Ruckertsöd“, aufs Korn: Mit der musikalisch schmalztriefenden, textlich ätzenden Geschichte über die „Spuren der Muren“, also der Schlammlawinen, die den Hof des Einödbauern erfassen, weil er zu Fronleichnam nicht mit Birkenzweigen geschmückt hat.

Aber gnadenlos ist die Couplet AG nicht, auch wenn es der Pressetext glauben machen will.

Denn daneben steht erfrischendes Albernes, wie die „Bavarian Love Parade“, auf der

Monika Hohlmeier ihr Bauchnabelpiercing zeigt und Günther Beckstein mit Drogen erwischt wird. Und vom im Wortsinne ungeschmälerter Lebenslust und Körperfreude strotzt die besonders vom weiblichen Publikum bejubelte Bauchtanznummer, in der Anna Spies als überaus üppige

„Bulldog-Fahrerin“ vom Land einen Volkshochschulkurs in orientalischem Hüftschwung gibt.

Die Couplet AG gehört zum Feinsten, was das anarchisch-bayerische Kabarett derzeit zu bieten hat.    Mehr davon.